Hausarbeit für das Deutsche Journalistenkolleg: Las Cataratas del Iguazú

Die brasilianische Seite der Iguazu-Fälle

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Las Cataratas del Iguazú – die schönsten Wasserfälle der Welt

Große Wasser – das bedeutet der Name Iguazú in der Sprache der Guaraní, einem Indianerstamm, der einst den Norden von Argentinien, den Süden Brasiliens, Bolivien, Uruguay und Paraguay besiedelte. 

Der Legende nach herrschte hier der rachsüchtige und eifersüchtige Gott Boi. In seiner Bösartigkeit verlangte er jedes Jahr nach dem neuen Opfer einer Jungfrau. Eines Tages wählte er das Mädchen Naipí. Die junge, verliebte Frau aber wollte sich seinem Willen nicht beugen und floh mit ihrem Geliebten Tarobá in einem Kanu den Fluss hinab. Boi wurde so zornig, dass er mit seiner Faust eine Schlucht in das Flussbett schlug und ihre Flucht vereitelte. Dort, am Fuße des Wasserfalls, hält er noch immer die Seele des Mädchens in einem Felsen gefangen. Ihr Geliebter aber rettete sich ans Ufer des Paranás, wo er sich ganz in ihrer Nähe in einen Baum verwandelte, um auf sie aufpassen zu können. Und auch wenn die Liebenden nie zueinanderkommen konnten, so verbindet doch – hin und wieder, wenn die Sonne scheint – ein großer Regenbogen ihre Herzen.

Ein Weltwunder der Natur

Zweihundertfünfundsiebzig Wasserfälle, mitten im Dreiländereck zwischen Paraguay, Argentinien und Brasilien, bilden das wohl schönste Naturwunder der Welt. Höher als die Niagarafälle und breiter als die Viktoriafälle erstrecken sich auf fast drei Kilometern die Cataratas de Iguazú, oder Cataratas do Iguaçu, wie sie in der brasilianischen Landessprache genannt werden. Die atemberaubenden Wasserfälle an der Grenze zwischen der argentinischen Provinz Misiones und dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und die sie umgebenden Nationalparks gehören zu den eindrucksvollsten Erinnerungen, die sich von einer Südamerika-Reise mit nach Hause nehmen lassen.

Das Herzstück der Cataratas bildet die 150 Meter breite und 700 Meter tiefe Garganta do Diabo, eine Schlucht, in der der Paraná in 14 mächtigen Wasserfällen stufenweise bis zu 75 Meter in die Tiefe stürzt. Zum Vergleich: Die berühmten Niagarafälle sind gerade einmal halb so hoch. Je nach Jahreszeit rauschen bis zu sieben tausend Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit ohrenbetäubendem Getöse die Teufelskehle hinab. Doch statt eines zornigen Gottes ließ eine geologische Verwerfung die Schlucht im Flussbecken entstehen.

Die Wasserfälle und die Nationalparks auf beiden Seiten der Grenze gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.  Im subtropischen Regenwald finden Kapuzineräffchen, Nasenbären, Schlangen, Krokodile, Tukane und die großen Rußmauersegler ihre Heimat. Über zweitausend verschiedene Pflanzenarten wachsen hier – und hunderte Schmetterlingsarten lassen sich beobachten.

Ein Blick auf die Garganta do Diabo macht demütig angesichts dieser Naturgewalten. Während man auf der argentinischen Seite der Wasserfälle auf langen Stegen im wahrsten Sinne des Wortes in die tosende Teufelskehle hineingeführt wird, so bietet eine Wanderung auf der brasilianischen Seite ein spektakuläres Panorama.

Machen Sie das Beste aus Ihrem Aufenthalt

Etwa zwei Tage sollte man für einen Besuch der argentinischen Cataratas einplanen, will man die oberen und unteren Wanderwege einmal in Ruhe entlanggegangen sein und eventuell auch mit einem Boot einmal mitten in die Wasserfälle hineinfahren. Der Weg entlang der brasilianischen Seite ist kürzer und ruhiger, wird dafür mit unvergesslichen visuellen Eindrücken belohnt. Der Erfahrung nach reicht für einen Besuch der brasilianischen Seite etwa ein halber Tag. Doch sollte man sich nicht den dortigen Vogelpark entgehen lassen. Hier werden einheimische Arten des Atlantischen Regenwaldes aus illegalem Tierhandel oder schlechten Haltungsbedingungen gerettet und gepflegt, darunter Papageien, Flamingos, Kolibris und Tukane.

Es gibt sowohl auf der argentinischen als auch auf der brasilianischen Seite zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in den kleinen Städten Puerto de Iguazú beziehungsweise Foz do Iguaçu, die sich auf die jährlich über eine Million Besucher gut eingerichtet haben. Die Nationalparks sind ganzjährig geöffnet, wenngleich die beste Reisezeit für einen Besuch der Wasserfälle in den Sommermonaten November bis März liegt. Es ist in diesen Monaten im Norden Argentiniens zwar recht heiß, doch das Wetter ist stabil und sonnig.

Der Eintritt in die Nationalparks kostet etwas. Doch verglichen mit den Erinnerungen, die man mit nach Hause nimmt, ist der Einsatz verschwindend gering.

Eine Erfahrung, die verändert

Iguazú – Große Wasser. Die Schönheit der Natur und die Kraft der Wassermassen, das Glitzern und Sprühen der Gischt, die an allen Orten aufblitzenden Regenbogen; farbenfrohe Schmetterlinge und freche Nasenbären, die durchaus das Reiseproviant mit nicht zu unterschätzender Aggressivität stibitzen, und das immerwährende Rauschen des sich brechenden Flusses…

Auch wenn es ganz sicher nicht der bösartige Gott Boi war, der all das geschaffen hat. Dieses Weltwunder der Natur rückt die Relationen wieder gerade, macht ehrfürchtig vor der Natur und sollte bei keiner Südamerika-Reise fehlen.

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